Solidarität mit dem Iran

24 06 2009

Die Protest-Wellen schlagen hoch. Im Iran wird die Bevölkerung um ihre Stimme betrogen und die Proteste werden mit Gewalt niedergeschlagen. Welche katastrophale Vorgänge in einem Land, welches sich dazu erdreistet, sich “Demokratie” zu nennen.

Doch was mir wirklich die Galle hochkommen lässt, sind die tausenden und abertausenden Solidarisierungsaktionen, Demos und Kundgebungen, all die Leserbriefe, Facebook-Gruppen und Blogartikel. Das Internet bietet ideale Bedingungen für die Praktizierung von Gleichberechtigung und ein Jeder denkt sich, wenn er jetzt den Mund auch aufmacht, sei der Welt geholfen.

Tatsache ist: wer sich jetzt mit dem Iran zu solidarisieren braucht, tut das nicht, weil er ein Verfechter der Menschenrechte ist, sondern weil er es nötig hat. Wahrscheinlich waren 90% aller Schreihälse der Iran bis vor ein paar Wochen egal. Nun ist er plötzlich das Zentrum der Weltungerechtigkeit. In diesem Land herrschen seit Jahrzehnten wenn nicht Jahrhunderten schlimme Zustände und die Bevölkerung leidet Armut und Unterdrückung. Aber das ist offenbar im Moment nicht relevant, im Gegenteil.

Liebe Solidarisierungssüchtige: besucht einmal die Webseite der UNO und bringt in Erfahrung, was wirklich so passiert in dieser Welt. Für Internet-Liebhaber besteht auch die Möglichkeit, via Google nach weiteren Seiten zu suchen.

Unzählige Völker werden seit Jahrhunderten unterdrückt und keine Sau interessiert’s. Kurden, Indianer, afrikanische Völker, Zigeunervölker wie Sinti und Roma, sämtliche Einwohner der Kontinente Asien und Südamerika – doch wen juckt’s? Niemand, und zwar nur, weil es nicht in den Zeitungen steht.

Tibet und Palästina sind plötzlich nicht mehr aktuell, der Iran erscheint interessanter. Wie schwach. Anstatt Facebook-gruppen zu gründen wie die JUSO Schweiz solltet ihr euch überlegen, wie ihr euer tägliches Leben gestaltet könnt, ohne Gewissensbisse mit Solidaritätsbekundigungen zu beseitigen. Übrigens: Im Iran werden wohl die wenigsten Menschen mtibekommen, was hier abgeht. Und der Regierung ist es egal. Also setzt eure Kräfte weise ein.

Und zu guter Letzt: Auch wenn ihr euch Jahre lang mit einem Land oder einem Regime solidarisiert: ihr seid doch unbedeutend, solange ihr nicht dort seid und mitarbeitet an der Entstehung einer neuen Gesellschaft. Aber das wäre ja schlecht möglich. Dort gibt es Krankheiten, Gewalt und Krieg sowie Hunger. Also lieber via facebook.


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